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AI Deskilling – Macht KI uns dümmer?

Was Forschung wirklich über den Kompetenzverlust sagt


Stell dir vor: Du setzt dich an den Schreibtisch, öffnest ChatGPT und tippst: „Schreib mir einen Aufsatz über den Klimawandel.“ Zehn Sekunden später hast du einen fertigen Text, sauber, flüssig, argumentativ rund. Klingt nach einem Traum, oder?
Doch hier kommt die unbequeme Frage: Wenn die KI für uns denkt, was passiert dann mit unserem eigenen Denken? Werden wir klüger oder beginnen unsere mentalen Muskeln zu erschlaffen?

Genau das hat der Deutschlandfunk-Podcast „KI verstehen“ in einer aktuellen Jubiläumsfolge unter die Lupe genommen. Unter dem Titel „Kompetenzverlust durch KI“ diskutieren die Moderatoren wissenschaftliche Studien, Anekdoten und kritische Stimmen. Herausgekommen ist ein differenziertes Bild fernab von Panikmache, aber mit klaren Warnsignalen.

Was ist „Deskilling“ überhaupt?

„Deskilling“ beschreibt den Verlust von Fähigkeiten, wenn wir Aufgaben dauerhaft an Maschinen oder Software abgeben. Dieses Phänomen ist nicht neu, Navigationsgeräte haben unser Kartenlesen verlernt, Taschenrechner unser Kopfrechnen ausgebremst. Neu ist allerdings die Tiefe und Breite, mit der KI-Tools wie ChatGPT eingreifen: Sie schreiben Texte, beantworten Fragen, lösen Matheaufgaben, programmieren Code, erstellen Präsentationen und das oft schneller und (scheinbar) fehlerfreier als wir selbst.

Studienlage: Was sagt die Wissenschaft?

Der Podcast stellt mehrere aktuelle Untersuchungen vor, die genau diesen Effekt messen mit teils erstaunlichen Ergebnissen.

1. MIT-Studie „Your Brain on ChatGPT“

Forscher des MIT setzten Teilnehmer vor eine simple Aufgabe: kurze Essays schreiben – mal selbst, mal mit KI-Hilfe. Währenddessen maßen sie die Gehirnaktivität per EEG.
Ergebnis: Wer immer wieder auf ChatGPT zurückgriff, zeigte messbar geringere neuronale Aktivität und produzierte weniger originelle Formulierungen. Selbst wenn diese Personen später ohne KI schreiben sollten, blieben die Leistungen hinter der Kontrollgruppe zurück.
Bedeutung: Wiederholte passive Nutzung kann das Gehirn in den „Leerlauf“ schicken.

2. Studie der TU München & LMU München

91 Studierende mussten zu einem Thema recherchieren – eine Gruppe mit Google, die andere mit ChatGPT.
Ergebnis: Die KI-Gruppe kam schneller zum Ziel, empfand die Aufgabe als weniger anstrengend – argumentierte aber oberflächlicher. Die Google-Gruppe zeigte tiefere Begründungen.
Bedeutung: KI kann Effizienz bringen, aber auf Kosten von gedanklicher Tiefe.

3. METR-Feldstudie mit erfahrenen Programmierern

Erfahrene Softwareentwickler nutzten KI-Assistenztools bei bekannten Projekten. Überraschung: Sie arbeiteten im Schnitt langsamer – etwa 19 % mehr Zeitaufwand.
Grund: Das Prüfen, Korrigieren und Anpassen der KI-Vorschläge fraß die Zeitersparnis auf. Gleichzeitig fühlten sich die Entwickler produktiver – ein gefährlicher Trugschluss.

4. Umfrage zu Vertrauen und Kritikfähigkeit

Studien aus dem Bereich Human-Computer-Interaction zeigen: Je mehr Vertrauen Menschen in KI haben, desto weniger kritisch hinterfragen sie deren Ergebnisse. Nur wer ein hohes Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten mitbringt, prüft konsequent nach.

Psychologie dahinter: Warum wir so leicht „abschalten“

Unser Gehirn liebt Abkürzungen. Wenn eine Maschine schneller liefert, spart es Energie, allerdings auf Kosten langfristiger Lern- und Gedächtnisprozesse.
Lernforschung zeigt: Aktives Abrufen (z. B. Wissen aus dem Gedächtnis holen, Probleme selbst lösen) stärkt neuronale Verbindungen. Lässt man diesen Schritt aus, werden diese Verbindungen schwächer, vergleichbar mit Muskeln, die nicht mehr trainiert werden.

Ist KI also Gift fürs Gehirn?

Die Podcast-Gastgeber betonen: Nein – nicht zwangsläufig.
KI kann uns unterstützen, Inspiration liefern und Lernprozesse sogar bereichern, wenn wir sie bewusst einsetzen. Das Problem entsteht, wenn wir uns blind auf sie verlassen und den eigenen Denkprozess komplett outsourcen.

So vermeidest du Kompetenzverlust – praktische Tipps

Die Forschungen und Diskussionen im Podcast lassen sich in ein paar klare Empfehlungen übersetzen:

  1. KI als Sparringspartner, nicht als Ersatz
    Lass dir Ideen geben, Gliederungen vorschlagen oder Gegenargumente präsentieren – aber formuliere und entwickle den Kern selbst.
  2. „Selbst zuerst“
    Löse die Aufgabe zunächst ohne KI, dann vergleiche mit der maschinellen Lösung. So trainierst du aktives Denken und bekommst trotzdem Feedback.
  3. Quellencheck & Faktenprüfung
    Hinterfrage jeden KI-Auswurf: Stimmen die Zahlen? Ist die Quelle seriös? Hier helfen Tools wie Cross-Search oder Fact-Checking-Seiten.
  4. Aufgaben variieren
    Statt immer nur die gleiche Art von Prompt zu verwenden, nutze KI für unterschiedliche Perspektiven: Erklärungen, Beispiele, Quizfragen.
  5. Bewusstes „Off-KI“-Training
    Plane bewusst Zeiten ein, in denen du komplett ohne KI arbeitest – wie Sport fürs Gehirn.

Von Taschenrechnern und Navigationsgeräten

Ein Fun Fact aus der kognitiven Psychologie: In den 1980ern warnte man, Taschenrechner würden das Kopfrechnen „zerstören“.

Tatsächlich verloren viele diese Fähigkeit aber niemand würde heute ernsthaft das Verbot von Taschenrechnern fordern. Der Unterschied: Mathe-Grundlagen lernen wir trotzdem noch in der Schule. Mit KI haben wir aktuell noch keine vergleichbaren Bildungsstrukturen, die das Fundament sichern. Genau hier liegt die Herausforderung.

Unser Fazit zu AI Deskilling

Die große Stärke der Podcast-Folge liegt darin, dass sie nicht in den üblichen Extremen verharrt: Weder „KI macht uns alle dumm“ noch „KI ist nur gut“. Die Wahrheit ist komplexer und hängt davon ab, wie wir diese Technologie nutzen.
Wer KI unkritisch zum Dauerkrückstock macht, riskiert tatsächlich einen Kompetenzverlust. Wer sie jedoch als Werkzeug im Sinne eines kreativen Partners einsetzt, kann davon profitieren ohne die eigenen kognitiven Muskeln zu vernachlässigen.


Vielleicht ist die Frage gar nicht: „Macht KI uns dümmer?“, sondern: „Lassen wir uns dümmer machen?“


Die Entscheidung, wie viel Denken wir selbst übernehmen, liegt (noch) bei uns. Also: Das nächste Mal, wenn du ChatGPT öffnest, tippe nicht sofort deine Frage ein. Überlege zuerst: Was weiß ich schon? Dein Gehirn wird es dir danken.

🎧 Mehr dazu im Deutschlandfunk-Podcast
Ausführliche Analysen und Diskussionen findest du in der Jubiläumsfolge des Deutschlandfunk-Podcasts KI verstehen.:
➡ Zum Podcast „Kompetenzverlust durch KI“ auf deutschlandfunk.de


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