AIFactum KI-NEWS Metallbügel raus, KI rein: Wie ein Schweizer Start-up den BH komplett neu erfindet

Schweizer Start-up erfindet den BH komplett neu: Metallbügel raus, KI rein

Vom Smartphone-Scan zur Maßanfertigung! Wird die Modeindustrie neu erfunden?

Was passiert, wenn du dein Handy einmal vor dem Körper drehst und drei Wochen später ein perfekt sitzendes Kleidungsstück in deinem Briefkasten landet?

Kein Maßschneider. Kein Atelier-Termin. Kein endloses Zurückschicken. Stattdessen: ein 30-Sekunden-Bodyscan im Browser, ein Deep-Learning-Algorithmus der deine Körpermaße auf den Millimeter genau berechnet, und eine robotergestützte Fertigungsanlage in Kroatien, die dein Kleidungsstück auf Bestellung produziert, vollautomatisch, ohne Überproduktion, ohne Metallbügel, ohne Kompromisse.

Das ist kein Zukunftsszenario aus einem Tech-Magazin. Das ist das Geschäftsmodell von MYNE (itsmyne), einem Schweizer Start-up, das gerade dabei ist, eines der ungelöstesten Fitprobleme der Modeindustrie zu knacken: den perfekt sitzenden BH.

Aber wer jetzt denkt, das sei nur eine nette Produktidee für den Nischen-E-Commerce, denkt zu klein. Was MYNE hier baut, ist ein vollständiger Proof-of-Concept für KI-gestützte Mass Customization, ein Modell, das die gesamte Supply Chain der Modeindustrie grundlegend herausfordert. Und genau deshalb ist dieser Case für jeden Digital-Unternehmer, der KI als ernsthaften Hebel im eigenen Business versteht, pflichtlektüre.

Die Technologie hinter dem Hype: Was wirklich passiert, wenn du dein Handy hebst

Wenn BILD über MYNE schreibt, heißt es simpel: „Handy und KI„. Was dahintersteckt, ist erheblich komplexer und erheblich interessanter.

Das Herzstück des Systems ist die Technologie des Münchner Start-ups Sizekick, entwickelt in Kooperation mit dem renommierten Textilforschungsinstitut Hohenstein. Die Kundin dreht sich für einen videobasierten Bodyscan einmal vor der Smartphone-Kamera, das war’s. Dahinter arbeitet ein Deep-Learning- und Computer-Vision-System, das aus diesem kurzen Video rund 100 Messpunkte am Körper identifiziert und daraus vollständig anonymisiert die exakten Körpermaße berechnet.

Keine App-Installation. Keine persönliche Datenpreisgabe. Die Technologie läuft als Webanwendung direkt im Browser und lässt sich nahtlos in bestehende Onlineshops integrieren. Die Rohdaten werden dabei auf sicheren Schweizer Servern verarbeitet, Datenschutz by design, nicht als nachträgliches Feigenblatt.

Das ist der erste entscheidende Schritt: Aus einem simplen Smartphone-Video wird ein präzises digitales Körpermodell. Aus diesem Modell werden Schnittmuster generiert. Und aus diesen Schnittmustern entsteht ein Kleidungsstück, das nicht für eine Normgröße produziert wurde, sondern für genau diesen einen Körper.

Hardware, die kaum jemand kennt: Roboterfertigung statt Nähsaal

Hier wird es für alle, die KI bislang nur im Frontend kennen, als Chatbot, als Content-Generator, als Marketing-Assistent –, richtig spannend.

Denn MYNE zeigt, wie KI tief in die physische Produktionskette eingreift. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen New Textile Technologies betreibt das Start-up eine robotergestützte Fertigungsanlage in Kroatien, die klassische Schneiderarbeit durch Präzisionsmaschinerie ersetzt.

Das Herzstück dieser Anlage funktioniert konzeptuell wie ein 3D-Drucker für Textilien: Anstelle des klassischen Metallbügels, der seit Jahrzehnten für Druckstellen und Unbehagen sorgt, wird eine präzise geformte Silikonspur aufgetragen, flexibel, individuell an die Körperform angepasst, ohne starre Kanten. Erhitzte Metallkugeln thermofixieren anschließend den Stoff und formen das exakte Körbchenvolumen, millimetergenau, reproduzierbar, skalierbar.

Diese hardwareseitige Präzision hat aber auch eine ehrliche Einschränkung: Aktuell können aufgrund der maschinellen Limitierung vorerst nur Größen bis 90D gefertigt werden. Keine Marketing-Ausrede, sondern ein technisch nachvollziehbares Limit, das mit der Weiterentwicklung der Anlage fallen wird.

Was bleibt, ist ein Fertigungsprozess, der radikal anders ist als alles, was die Modeindustrie bislang kannte:

MerkmalTraditionelle KonfektionMYNE / KI-Fertigung
GrößensystemStandardisierte EinheitsgrößenIndividuelle Maßanfertigung nach Körperscan
StützelementStarre MetallbügelFlexibel gedruckte Silikonspuren
FertigungsartManuelles Nähen auf VorratRoboter- & CNC-Technik auf Bestellung
Supply-ChainHohe Überproduktion und RetourenMade-to-Order ohne Überproduktion
PreisMassenware zwischen 20–80 €Maßanfertigung für rund 129 €

Das Geschäftsmodell: Warum dieser Case weit mehr ist als ein schönes Produkt

Jetzt kommen wir zum Teil, den die meisten Lifestyle-Medien beim Berichten über MYNE komplett übersehen und der für uns als Digital-Unternehmer der eigentlich relevante ist.

MYNE ist kein klassischer E-Commerce-Shop. MYNE ist ein Mass-Customization-System, und das ist ein fundamentaler Unterschied.

In der klassischen Modeindustrie funktioniert die Supply Chain nach einem einfachen, teuren Prinzip: Produziere viel, bete, dass es passt, und nimm die Retouren in Kauf. Die durchschnittliche Retourenquote im deutschen Onlinehandel liegt bei über 50 Prozent, bei Bekleidung noch deutlich höher. Jede Retoure kostet Geld. Logistik, Aufbereitung, Wiedereinlagerung oder Vernichtung. Und dazu kommt die Überproduktion: Kollektionen, die auf Halde produziert werden, weil niemand weiß, welche Größen und Modelle sich tatsächlich verkaufen werden.

MYNE eliminiert beide Probleme mit einem Schlag.

Das Made-to-Order-Prinzip bedeutet: Es wird erst dann produziert, wenn eine Bestellung eingeht. Kein Lager. Keine Überproduktion. Und weil das Produkt auf den eigenen Körper zugeschnitten ist, sinkt die Retourenquote drastisch, wer bekommt schon etwas zurück, das perfekt passt?

Bei einem Verkaufspreis von rund 129 Euro und einer schlanken, automatisierten Produktion ergibt das eine Margensituation, die für ein Start-up in der Modeindustrie ungewöhnlich gesund ist. Keine Saisonrabatte, kein Restpostenverkauf, kein Vernichten unverkaufter Ware.

Für dich als Digital-Unternehmer steckt in diesem Modell eine wichtige Lektion: KI, die in der Supply Chain wirkt, ist oft wertvoller als KI, die im Marketing sichtbar ist. Chatbots und Content-Generatoren sind gut. Aber KI, die deine Retourenquote halbiert, deine Lagerhaltung eliminiert und deine Fertigungspräzision auf ein manuell nie erreichbares Niveau hebt, das ist der echte Hebel für stabile Margen und skalierbares Wachstum.

Skalierbarkeit: Das ist erst der Anfang

MYNE hat das Schweizer Start-up nicht mit dem BH als Endpunkt gedacht. Der zugrunde liegende Technologie-Stack, videobasierter Bodyscan, KI-gestützte Maßberechnung, robotergestützte Maßanfertigung, lässt sich auf nahezu jede Produktkategorie übertragen, bei der Passform ein entscheidender Kauffaktor ist.

Das Start-up entwickelt bereits ähnliche datenbasierte Ansätze für maßgeschneiderte Bademode. Der logische nächste Schritt. Aber denk weiter: Sportswear, Korsetts, Orthopädie-Textilien, maßgeschneiderte Hemden, Anzüge. Überall dort, wo heute Standardgrößen an individuellen Körpern scheitern, ist dieses Modell eine potenzielle Disruption.

Und die Infrastruktur von Sizekick, die als Webanwendung direkt in Onlineshops integrierbar ist, senkt die Einstiegshürde für weitere Marken erheblich. Wer heute einen Onlineshop für Bekleidung betreibt, könnte morgen denselben Scan-und-Fertigungs-Stack nutzen. lizenziert, integriert, live.

Das ist das eigentliche Skalierungspotenzial dieses Cases. Nicht die Größe von MYNE selbst, sondern die Technologie-Infrastruktur, die hier aufgebaut wird.

Fazit: Was dieser Case uns über die Zukunft von KI im Business lehrt

MYNE ist auf den ersten Blick eine sympathische Start-up-Story über zwei Gründer, die das altbekannte BH-Problem lösen wollen. Auf den zweiten Blick ist es etwas viel Bedeutsameres: ein vollständig durchdachter Proof-of-Concept dafür, wie KI nicht als Gadget, sondern als struktureller Geschäftsvorteil eingesetzt werden kann.

Was wir aus diesem Case mitnehmen

Erstens: KI gehört in die Supply Chain, nicht nur ins Marketing. Der wahre ROI von KI entsteht dort, wo Prozesskosten gesenkt, Fehlerquoten reduziert und Retourenquoten halbiert werden, nicht dort, wo ein Chatbot hübsche Produkttexte schreibt.

Zweitens: Mass Customization ist das anti-zyklische Geschäftsmodell der Modeindustrie. Wer Made-to-Order produziert, ist immun gegen Überproduktions-Risiken, saisonale Rabattschlachten und den ruinösen Retouren-Kreislauf. Das ist kein Nice-to-have, das ist ein struktureller Wettbewerbsvorteil.

Drittens: Der Smartphone in der Tasche jedes Kunden ist ein Messgerät. MYNE hat verstanden, dass das mächtigste Sensor-Device der Welt bereits bei jedem Konsumenten vorhanden ist. Wer lernt, diese Daten sinnvoll und datenschutzkonform zu nutzen, hat einen Zugang zu Kundeninformationen, für die andere Unternehmen Millionen ausgeben.

Viertens: Skalierung entsteht durch Infrastruktur, nicht durch Größe. Die wirkliche Skalierung von MYNE findet nicht statt, wenn das Unternehmen selbst wächst, sondern wenn der Sizekick-Technologie-Stack von hundert anderen Marken lizenziert und integriert wird. Das ist der Plattform-Gedanke hinter einem scheinbar klassischen DTC-Produkt.

Was bleibt, ist eine ehrliche Einschätzung: MYNE ist noch jung, die Produktionskapazität ist noch begrenzt, und ob das Modell wirklich skaliert, wird die nächste Wachstumsphase zeigen. Aber als Case Study für KI-getriebene Mass Customization ist dieses Schweizer Start-up eines der interessantesten aktuellen Beispiele dafür, wie sich Technologie und Geschäftsmodell-Innovation zu etwas wirklich Neuem verbinden können.

Und das, liebe Community von AIFactum, ist exakt die Art von KI-Anwendung, auf die wir hier warten: nicht sichtbar, nicht laut, aber tief in den Strukturen eines Unternehmens verankert und dort, wo es wirklich zählt, messbar profitabel.


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